Frühjahrsbelebung im bayerischen Handwerk bleibt ausPeteranderl: „Nicht vorrangig Konzerne entlasten, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen“

19. April 2026

Der Irankrieg hat der erhofften konjunkturellen Erholung in Deutschland einen schweren Dämpfer versetzt. Die Versorgungsengpässe bei Treibstoffen und Vorprodukten sorgen für schlechte Stimmung bei Verbrauchern und Wirtschaft – mit Auswirkungen auf das bayerische Handwerk. „Von einem selbsttragenden Aufschwung mit hohen Investitionen und einem Beschäftigungsaufbau ist unser Land aktuell weit entfernt. Der Konflikt im Nahen Osten hat die strukturellen Probleme Deutschlands abermals offengelegt und den Reformdruck weiter verschärft“, konstatiert Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT): „Zu den drängendsten Baustellen zählen neben den steigenden Energiekosten vor allem Bürokratie, hohe Lohnzusatzkosten und ein Steuersystem, das Unternehmen und Beschäftigte im internationalen Vergleich über Gebühr belastet.“ Die wenigen Entlastungen seien an Handwerk und Mittelstand weitgehend vorbeigegangen, kritisiert der BHT-Präsident: „Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden das Fundament der deutschen Wirtschaft. Unsere Betriebe bieten ihre Produkte und Dienstleistungen vor Ort an, zahlen hierzulande Steuern und sichern Arbeits- und Ausbildungsplätze. Deshalb müssen nicht vorrangig Konzerne entlastet werden, sondern auch KMU.“

Die für das Handwerk besonders wichtige Baukonjunktur hat den Start ins Jahr 2026 wetterbedingt verpatzt: Der kalte Winter sorgte für eine verhaltene Tätigkeit auf den Baustellen. Doch das Plus von 5,1 Prozent im Jahr 2025 bei den Wohnungsbaugenehmigungen in Bayern lässt eine Erholung erwarten. Während die handwerklichen Zulieferbetriebe weiter unter der Schwäche der Industrie leiden, hat das Kfz-Handwerk – nicht zuletzt wegen der neu aufgelegten Förderung für E-Fahrzeuge – einen starken Jahresstart hingelegt. Die verbrauchernahen Handwerke und das Lebensmittelgewerbe wurden vom schwachen Binnenkonsum ausgebremst.

Die Handwerksbetriebe in Bayern zeigten sich im 1. Quartal 2026 etwas pessimistischer als im Vorjahr: 76 Prozent der Befragten beurteilten ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend – das sind 2 Punkte weniger als im 1. Quartal 2025. Die durchschnittliche Betriebsauslastung im bayerischen Handwerk lag im Berichtszeitraum bei 75 Prozent und damit genau auf dem Niveau des Vorjahres. Die Auftragsbestände kletterten im 1. Quartal um 0,1 auf 8,6 Wochen. Beim Auftragseingang verzeichneten 19 Prozent der bayerischen Betriebe einen Anstieg (+1 Punkt gegenüber dem Vorjahreszeitraum), 34 Prozent meldeten einen Rückgang (-1 Punkt).

Nachdem sich die Preisentwicklung 2025 stabilisierte, hat der Irankrieg sie wieder angeheizt: 69 Prozent der Befragten vermeldeten im 1. Quartal gestiegene Einkaufspreise, ein Plus von 15 Punkten im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres. Lediglich 34 Prozent konnten im Gegenzug ihre Absatzpreise erhöhen. Das sind 2 Punkte mehr als vor einem Jahr. Mit Blick auf die kommenden Monate erwarten die Betriebe keine Änderung bei den Preisen: 75 Prozent rechnen mit weiter steigenden Beschaffungskosten – 22 Punkte mehr als im 1. Quartal 2025. Durch die hohen Kosten, mit denen die bayerischen Handwerksbetriebe kalkulieren müssen, bleibt auch weniger Raum für Investitionen: 37 Prozent der Befragten schafften im Berichtszeitraum neue Maschinen oder Fahrzeuge an. Das sind 3 Punkte weniger im Vorjahresvergleich.

Nach BHT-Berechnungen wurden im 1. Quartal 31,5 Milliarden Euro umgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein nominaler Rückgang von 0,5 Prozent. Nach Abzug der Preissteigerungen wächst das reale Minus im bayerischen Handwerk auf etwa 3,6 Prozent. Der Anteil der Betriebe mit steigenden oder gleichbleibenden Umsätzen fiel gegenüber dem Vorjahresquartal um 1 auf 60 Punkte. Die schwache Konjunktur wirkt sich auch auf die Beschäftigung aus: Ende März waren nach BHT-Schätzungen rund 944.200 Menschen im bayerischen Handwerk tätig. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um 1,1 Prozent. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage wollen nur 10 Prozent der Befragten ihre Belegschaft im kommenden Quartal erweitern (-1 Punkt im Vergleich zum Vorjahr), während 13 Prozent mit weniger Beschäftigten planen (+1 Punkt). Die Zahl der Handwerksbetriebe im Freistaat lag zum Ende des 1. Quartals bei 215.200. Das sind 1,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Für das 2. Quartal erwarten 20 Prozent der Befragten eine bessere Geschäftslage (+2 Punkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Genauso viele rechnen aber auch mit einer Verschlechterung (+4 Punkte). „Die Skepsis zieht sich quer durch alle Branchen. Betriebe und Beschäftigte müssen jetzt entlastet werden. Die Bundesregierung ist am Zug“, fordert der BHT-Präsident.

Deutliche Kritik äußert Peteranderl an der schwelenden Diskussion über eine mögliche Abschaffung der Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen: „Dieser Bonus hilft, Aufträge aus der Schwarzarbeit zu holen und legale Arbeit zu stärken. Qualitätsstandards werden gesichert, der Staat erzielt Steuern und Sozialabgaben. Dieses Erfolgsmodell infrage zu stellen, während es von anderen Ländern kopiert wird, schwächt die Nachfrage nach den Dienstleistungen unserer Handwerksbetriebe. Das können wir uns in der schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht leisten.“

Beitrag von Alexander Tauscher:

hwkmuenchen · SO LIEF DIE KONJUNKTUR IM BAYERISCHEN HANDWERK ZUM JAHRESSTART 2026

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