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Umsatzeinbruch im bayerischen Handwerk

PK Konjunktur Juli 2020
Peteranderl: "Beschäftigung bleibt weitgehend stabil"

24. Juli 2020

Ein Ende der Corona-Krise ist im Handwerk vorerst nicht in Sicht. Dies zeigen die Ergebnisse der neuesten Konjunkturumfrage unter Bayerns Betrieben. 38 Prozent der Befragten bezeichneten ihre wirtschaftliche Lage im 2. Quartal als gut und 37 Prozent als befriedigend. Die zu dieser Jahreszeit übliche, kräftige saisonale Belebung blieb aus. Vergleicht man die Zahlen mit denen des Vorjahres, ergibt sich gegenüber dem 2. Quartal 2019 ein deutliches Minus von 19 Punkten. Während Bauhaupt- und Ausbaugewerbe ihrer Tätigkeit auch während des Shutdowns mit relativ wenigen Einschränkungen nachgehen konnten, haben die konsumnahen Handwerke sowie die Kfz- und Zulieferbetriebe massiv gelitten und tun dies immer noch. „Die Gesamtwirtschaft befindet sich in einer tiefen Rezession, der sich auch das Handwerk nicht entziehen kann“, betont Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), „unser Wirtschaftsbereich leidet derzeit in allen Bereichen unter einem massiven Nachfrageschock.“

Da deutlich weniger neue Aufträge hereinkommen, schmelzen auch die Bestände: Ende Juni verfügten die Betriebe im Freistaat über eine durchschnittliche Orderreichweite von 8,6 Wochen. Das sind 1,8 Wochen weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Auslastung lag bei 75 Prozent und damit 9 Punkte unter dem Vorjahreswert. Der Umsatzeinbruch der Betriebe im bayerischen Handwerk fiel im 2. Quartal heftig aus: Nach Schätzungen des BHT wurden etwa 28,1 Milliarden Euro umgesetzt. Im Jahresvergleich bedeutet das ein Minus von nominal 10 Prozent. Ein Rückgang dieser Dimension ist bisher einzigartig. Selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008 schrumpfte der Umsatz nur um knapp 7 Prozent. Preisbereinigt beträgt der Umsatzrückgang im 2. Quartal 2019 sogar 13 Prozent. Auf die Preise im Handwerk wirkt sich die Rezession bisher moderat aus. Lediglich der zuletzt kräftige Anstieg bei den Baupreisen hat sich etwas abgeschwächt. Insgesamt lag die durchschnittliche Preissteigerung Ende Juni bei etwa 3 Prozent.

Trotz dieser Hiobsbotschaften blieb die Beschäftigungsentwicklung im 2. Quartal relativ konstant, ein großflächiger Beschäftigungsabbau konnte vermieden werden. „Die Unternehmen wissen, wie wichtig gut ausgebildete Fachkräfte sind und tun alles dafür, sie zu halten. Diese Treue zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hilft uns auch dabei, Berufsnachwuchs für das Handwerk zu gewinnen“, betont Peteranderl. Laut Schätzung waren Ende Juni etwa 947.800 Personen im bayerischen Handwerk tätig. Dies entspricht einem Minus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Wir sind optimistisch, dass das bayerische Handwerk ohne allzu große Arbeitsplatzverluste durch das Jahr kommt“, so der BHT-Präsident.

Massiv zurückgefahren haben die Unternehmen im Freistaat ihre Investitionen. Der Anteil investierender Betriebe sank nach einem starken Vorjahresquartal um 4 Punkte auf 35 Prozent. Nach BHT-Schätzungen wurden etwa 625 Millionen Euro für neue Fahrzeuge, Gebäude und Maschinen ausgegeben. Das ist ein Minus von 35 Prozent. „Das Handwerk wird auch in den kommenden Monaten im Krisenmodus arbeiten müssen. Unsere Befragung zeigt eindeutig, dass die bayerischen Betriebe nicht mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft rechnen“, berichtet Peteranderl. Dies wirkt sich auch auf die Jahresprognose aus: Für das Gesamtjahr erwartet das bayerische Handwerk im besten Fall ein Umsatzminus von nominal 3,5 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten dürfte um 0,5 Prozent abnehmen, die Investitionen um 4,9 Prozent sinken.

Mehrwertsteuersenkung bis Mitte 2021 verlängern

Die befristete Senkung der Mehrwertsteuer macht vielen bayerischen Handwerksbetrieben zu schaffen. Gedacht, um den Binnenkonsum anzukurbeln, bedeutet diese Maßnahme einen beträchtlichen Verwaltungsaufwand für viele Unternehmen, etwa im Lebensmittelhandwerk. Der BHT-Präsident: „Das lohnt sich für den vergleichsweise kurzen Zeitraum von sechs Monaten eigentlich nicht. Wir haben daher an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben und darum gebeten, sich im Bundesrat für eine Verlängerung der Steuersenkung bis Mitte kommenden Jahres stark zu machen. Diese Lösung wäre praxistauglicher und würde den bürokratischen Aufwand für unsere Betriebe zumindest auf zwölf Monate verteilen.“

Weiterhin große Sorgen bereitet der Ausbildungsmarkt: Bis Ende Juni wurden knapp 10.800 neue Lehrverträge geschlossen. Das sind 15,9 Prozent bzw. rund 2.000 weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Zur Jahresmitte waren allerdings auch noch knapp 6.700 Ausbildungsplätze in den Lehrstellenbörsen der bayerischen Handwerkskammern offen. Peteranderl kündigt an, dass Handwerkskammern, Fachverbände und Arbeitsagenturen alle Kräfte mobilisieren werden, um noch möglichst viele Ausbildungsplätze zu besetzen: „Wir gehen davon aus, dass deutlich mehr Lehrverträge erst nach dem offiziellen Beginn des Ausbildungsjahres am 1. September geschlossen werden.“ Damit dies auch so kommt, ist mehr Unterstützung von der Politik erforderlich, um junge Menschen für die Berufsausbildung zu gewinnen und den Betrieben zusätzliche Anreize zum Ausbilden zu bieten. „Bisher wird die Unterstützung eher mit der Pipette verteilt. Wir brauchen aber gewerkeübergreifende Hilfen mit der Gießkanne!“, fordert der BHT-Präsident.

Mit Blick auf die EU warnt der BHT davor, die Klimaziele in der gegenwärtig schwierigen wirtschaftlichen Lage weiter zu erhöhen. „Europa kann nur dann eine internationale Vorreiterrolle beim Klimaschutz übernehmen und zugleich wettbewerbsfähig bleiben, wenn das Verhältnis aus Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit genau austariert ist“, betont Peteranderl. Das bayerische Handwerk hat seine Forderungen auch in einem Positionspapier zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft dargelegt.

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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