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Wahlprüfsteine des bayerischen Handwerks zur KommunalwahlPeteranderl: "Kommunen können Bedingungen für unsere Betriebe verbessern"

29. Januar 2026

„Das bayerische Handwerk wartet ebenso wie die gesamte deutsche Wirtschaft auf die überfälligen wirtschaftspolitischen Impulse aus Berlin und Brüssel. Aber auch die Kommunen können mit einer handwerksfreundlichen Politik die Bedingungen für unsere Betriebe verbessern“, betont Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT). Für die Kommunalwahl am 8. März 2026 stellt das Handwerk folgende Forderungen an die Politik:

1. Verkehr entlasten und Rahmenbedingungen verbessern

Damit handwerkliche Dienstleistungen zuverlässig erbracht und Produkte pünktlich geliefert werden können, müssen die Mitarbeitenden unserer Betriebe zu ihren Arbeitsstätten und von dort zu den Baustellen, in die Verkaufsfilialen und zu Kundenterminen kommen. Dafür ist ein fließender Wirtschaftsverkehr mit einer intakten Straßeninfrastruktur unverzichtbar.

Ebenso wichtig ist es, ausreichend Parkflächen und Wirtschaftszonen zum Liefern, Laden und Leisten bereitzuhalten, die vorab digital gebucht werden können. Um Platz im Straßenraum zu schaffen, sollte das Anwohner- und Besucherparken stärker in öffentliche Parkhäuser verlagert werden.

Darüber hinaus muss der Wirtschaftsverkehr durch den Ausbau von Park-&-Ride-Flächen und eine bessere ÖPNV-Anbindung in den ländlichen Regionen entlastet werden. Baustellen, die den fließenden Verkehr beeinträchtigen, sollten durch übergeordnete Planung, transparente Kommunikation und eine funktionierende Baustellenlogistik koordiniert werden – ohne dass für die Baustelleneinrichtung höhere Gebühren anfallen. Spannungen zwischen Wirtschafts- und Radverkehr können entschärft werden, indem Autos und Radler auf unterschiedliche Straßen verteilt werden.

Bessere Mobilitätsangebote wie z.B. Ring- oder Rufbusse helfen unseren Auszubildenden, ihre Betriebe, Berufsschulen und die Stätten der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) besser zu erreichen. Insgesamt braucht es ganzheitliche Verkehrskonzepte, die die Belange des Wirtschaftsverkehrs besser berücksichtigen.

2. Flächen für gewerbliche Ansiedlung und Entwicklung bereitstellen

Viele Kommunen stehen vor der Herausforderung, ausreichend Flächen für kleine und mittelständische Handwerksbetriebe bereitzustellen. Hierbei ist eine effiziente Nutzung bestehender Baugebiete entscheidend, um Flächenmangel und übermäßiger Versiegelung vorzubeugen. Neue Gewerbeflächen sollten kleinteilig parzelliert und zu bezahlbaren Preisen ausgewiesen werden, möglichst mit Eigentumsrecht anstatt in Erbpacht.

Wohn- und Gewerbeflächen müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen; in Mischgebieten dürfen unsere Betriebe nicht durch zusätzliche Wohnnutzung verdrängt werden. Gegen absehbare Konflikte zwischen Wohnen und Gewerbe – etwa bei Immissionen, Parkflächen oder durch Erweiterungsflächen – muss bereits in der Bauleitplanung besser vorgegangen werden.

Die Ansiedlung von infrage kommendem Gewerbe in Wohngebieten sollte wieder stärker gefördert werden, um kurze Wege zu gewährleisten und die wohnortnahe Versorgung zu sichern. Unbebaute Wohnbauflächen sollten soweit möglich mit einem befristeten Bauzwang versehen werden.

3. Haushalte konsolidieren, Steuern und Abgaben senken

Eine solide Finanzpolitik schafft den notwendigen Spielraum für Investitionen und Entlastungen. Die öffentlichen Haushalte dürfen nicht durch höhere Gebühren und Abgaben konsolidiert werden, sondern durch Einsparungen. Steuer- und Abgabenentlastungen sind dringend erforderlich, um Unternehmen zu stärken, Investitionen zu fördern und den Konsum zu stützen.

Neue kommunale Steuern und Abgaben, wie z.B. die Verpackungssteuer, lehnt das Handwerk klar ab. Bei öffentlichen Aufträgen muss die mittelstandsfreundliche Fach- und Teillosvergabe erhalten bleiben. Zuschläge sollten nach dem wirtschaftlichsten und nicht dem günstigsten Angebot vergeben werden. Die Tariftreue sollte bei öffentlichen Vergaben gewahrt bleiben.

4. Bürokratie abbauen, Verfahren beschleunigen und digitalisieren

Unsere Handwerksbetriebe leiden weiterhin unter wachsenden Dokumentationspflichten und langwierigen Genehmigungsverfahren. Damit die Inhaberinnen und Inhaber wieder mehr Zeit in der Werkstatt und beim Kunden verbringen können, müssen Verwaltungsprozesse vereinfacht und beschleunigt werden. Wenn dies gelingt, wird Selbstständigkeit wieder attraktiver – gleichzeitig steigt die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen.

Gewerbetreibende brauchen direkte Ansprechpartner in den Kommunen und eine transparente Kommunikation mit der Verwaltung. Verwaltungslotsen, wie sie das Münchner KVR anbietet, sind ein guter Anfang. Eine konsequente Digitalisierung der Verwaltung ist unerlässlich, um Abläufe effizienter und weniger bürokratisch zu gestalten. Handwerkliche Dienstleistungen dürfen nicht von kommunalen Zweckverbänden, Bauhöfen etc. erbracht werden.

5. Fachkräfteversorgung sichern und berufliche Bildung zukunftsfähig machen

Das Handwerk ist der zentrale Arbeitgeber und Ausbilder vor Ort. Damit kommt unseren Betrieben eine stabilisierende Funktion in der Gesellschaft zu. Um die Fachkräfteversorgung zu sichern, sind auch weiterhin umfassende Berufsorientierungsmaßnahmen notwendig. Dafür muss die Kooperation zwischen Schulen und Kommunen ausgebaut werden.

Pflichtveranstaltungen wie der „Tag des Handwerks“ müssen verstetigt und ausgeweitet werden. Staatliche Konkurrenzangebote im handwerklichen Bildungsbereich sollten unterbleiben, um die Attraktivität des dualen Systems zu bewahren.

6. Infrastruktur optimieren

Die Energieversorgung muss bezahlbar und wettbewerbsfähig bleiben. Dafür müssen sich Marktkräfte entfalten können und technologieoffene Lösungen eine zentrale Rolle spielen. Das Handwerk sollte in die kommunale Wärmeplanung intensiv eingebunden werden.

Breitband- und Mobilfunknetze müssen weiter ausgebaut, Gewerbegebiete verkehrlich gut erreichbar sein. Bezahlbarer Wohnraum für Azubis in der Nähe ihrer Ausbildungsstätten stärkt die duale Bildung und fördert die Versorgung des Handwerks mit Berufsnachwuchs.

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