Bayerisches Handwerk zum Gutachten der RentenkommissionPeteranderl: "Guter erster Aufschlag zu Strukturreform und Beitragsstabilität"

23. Juni 2026

„Das Gutachten der Rentenkommission ist ein guter erster Aufschlag, um die gesetzliche Rentenversicherung strukturell zu reformieren und die Beiträge zu stabilisieren. Im zweiten Schritt müssen die Lohnnebenkosten in Summe wieder unter 40 Prozent gedrückt werden“, kommentiert der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Franz Xaver Peteranderl. Die empfohlene Anhebung der Regelaltersgrenze nach 2031 bewertet das bayerische Handwerk positiv: „Die stetig steigende Lebenserwartung erfordert einen solchen Schritt“, betont der BHT-Präsident.

Die Abschaffung des abschlagsfreien Renteneintritts ab 63 hält das bayerische Handwerk aufgrund des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels ebenfalls für notwendig. „Für körperlich belastende Berufe wie im Handwerk muss allerdings nachjustiert werden“, fordert Peteranderl. Der derzeit ausgesetzte Nachhaltigkeitsfaktor der aktuellen Rentenanpassungsformel sollte aus Sicht des bayerischen Handwerks schnellstmöglich wieder in die Rentenformel aufgenommen werden. „Dies würde helfen, die Beitragssätze stabil zu halten und unsere Betriebe zu entlasten“, betont der BHT-Präsident.

Mit Blick auf die im Gutachten geforderte transparente Darstellung von Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung, für die keine Beiträge entrichtet werden, erneuert der BHT seine langjährige Forderung, versicherungsfremde Leistungen aus Steuermitteln und nicht aus Rentenbeiträgen zu finanzieren. Peteranderl: „Auch damit könnten unsere Handwerksbetriebe bei den Lohnnebenkosten entlastet, die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und das System gerechter gemacht werden.“

Den Vorschlag, alle nicht obligatorisch abgesicherten Selbstständigen verpflichtend in der gesetzlichen Rentenversicherung zu melden, hält das bayerische Handwerk für geeignet, um Altersarmut zu vermeiden. Auch die Einführung einer verpflichtenden kapitalgedeckten Rentenkomponente in der gesetzlichen Rentenversicherung ist vor dem Hintergrund der Generationengerechtigkeit und zur Finanzierung des Rentensystems grundsätzlich richtig. „Allerdings führt die paritätische Finanzierung zu einer Steigerung der Lohnnebenkosten und damit zu einer weiteren Mehrbelastung der Betriebe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Außerdem droht durch die Umsetzung der gesetzlichen Kapitalrente neue Bürokratie“, warnt der BHT-Präsident und gibt zu bedenken, dass beispielsweise im Baubereich durch die „SOKA Bau“ bereits eine Zusatzversorgung existiert.

Negativ bewertet der Bayerische Handwerkstag, dass Jobcenter Langzeitarbeitslose nicht mehr verpflichten können sollen, vorzeitig mit Abschlägen in Rente zu gehen: „Zunächst sollte ein bestehender Rentenanspruch genutzt werden, um das Prinzip der Eigenverantwortung zu stärken, Beitragsgerechtigkeit herzustellen und die öffentlichen Haushalte zu entlasten“, argumentiert Peteranderl.

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