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Handwerkskonjunktur zieht wieder an

Franz Xaver Peteranderl
Peteranderl: "Mit einer steigenden Impfquote einen weiteren Lockdown verhindern"

28. Juli 2021

„Es freut mich, dass die Corona-Pandemie derzeit nicht mehr so stark unseren Alltag bestimmt, wie noch zu Beginn des Jahres. Von den Lockerungen profitiert nicht zuletzt das Handwerk. Doch die Delta-Variante bleibt eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen und damit auch für die Erholung der Konjunktur“, betont Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen. „Der maßgebliche Schlüssel zur Bekämpfung der Pandemie liegt in einer vollständigen Schutzimpfung. Die Gesundheit der Belegschaft ist ebenso wichtig wie der Schutz von Kundinnen und Kunden“, sagte Peteranderl. Mittlerweile können auch kleine und mittlere Betriebe ohne Betriebsarzt Sammeltermine bei den Impfzentren vor Ort buchen und ihre Belegschaften dort impfen lassen können.

Insgesamt bewerteten 86 Prozent der Befragten im bayerischen Handwerk ihre aktuelle Lage im 2. Quartal als gut oder befriedigend. Gegenüber dem Vorjahresquartal stieg dieser Wert um 11 Punkte. Damit präsentierte sich die Stimmung im Handwerk zwar deutlich erholt, bis zum Vorkrisenniveau fehlen aber noch 8 Punkte. Die Auslastung der Handwerksbetriebe im Freistaat lag im 2. Quartal bei durchschnittlich 80 Prozent – 5 Punkte über dem Ergebnis des Vorjahres. Auch hier befindet sich der 2019er Wert (84 Punkte) wieder in Reichweite. Erfreulicherweise konnte die Auslastung quer durch alle Gewerke zulegen.

Auftragsbestände klettern auf Rekordhöhen

Die stark anziehende Nachfrage ließ die Auftragsbestände im 2. Quartal in neue Rekordhöhen klettern. Im Durchschnitt hatten die Betriebe Ende Juni Aufträge für 10,7 Wochen in ihren Büchern stehen. Dass der Vorjahreswert um 2,1 Wochen übertroffen wurde, überrascht nicht. Auch das Vorkrisenniveau lag mit 10,4 Wochen niedriger. Das Plus dürfte allerdings auch mit dem Baustoffmangel zusammenhängen. Der BHT-Präsident: „Wenn die Betriebe auch weiterhin weniger Material bekommen oder länger darauf warten müssen – und danach sieht es momentan aus – wird der Auftragsbestand noch weiter steigen. Dies geht aber ganz klar auf Kosten der Auslastung.“

Seit Ende März sorgen stark steigende Einkaufspreise und Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten für Sorgenfalten im Handwerk. Im April und Mai hat diese Entwicklung weiter an Dynamik gewonnen. Betroffen sind vor allem Bauholz, Stahl und andere Metalle. Aber auch im Kunststoffbereich, etwa bei Dämmmaterial oder Erdölprodukten wie Bitumen, sorgt die Knappheit für steigende Preise. Selbst eher einfache Produkte wie Kunststoffrohre sind derzeit schwierig zu bekommen und teurer als sonst. Auch wenn die Holzpreise in den USA zuletzt wieder gefallen sind, kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Die Preissteigerungsrate im Handwerk lag Ende Juni bei ca. 3 Prozent.

31,9 Milliarden Euro Umsatz im 2. Quartal

Nach ersten Schätzungen haben die Materialengpässe im 2. Quartal noch zu keinen flächendeckenden Produktionsausfällen geführt. Der BHT geht davon aus, dass im bayerischen Handwerk zwischen April und Juni etwa 31,9 Milliarden Euro umgesetzt wurden. Im Vergleich zum coronabedingt äußerst schwachen Vorjahresquartal ist das ein nominales Plus von 10 Prozent. Inflationsbereinigt wurde im 2. Quartal ein realer Umsatzzuwachs von 7 Prozent verbucht.

Die Beschäftigungsentwicklung konnte im 2. Quartal nicht mit den steigenden Umsätzen mithalten. Nach Schätzungen des BHT waren Ende Juni etwa 955.600 Personen im bayerischen Handwerk tätig, ein Plus von 0,4 Prozent binnen Jahresfrist. Die Investitionsdynamik im Handwerk hat sich im Berichtszeitraum weiter fortgesetzt. Das Volumen der Investitionen im 2. Quartal übertraf das allerdings sehr schwache Vorjahresquartal um satte 22 Prozent. Nach ersten Schätzungen haben die Betriebe im Freistaat etwa 760 Millionen Euro in neue Gebäude, Maschinen, Software und Fahrzeuge investiert. Der Anteil lag mit 39 Prozent um 4 Punkte über dem Vorjahresniveau. Zur Jahresmitte wurden in Bayern rund 208.000 Handwerksbetriebe gezählt – 1,3 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

„Trotz steigender Umsätze und mehr Optimismus bei den Betrieben steht der Ausblick für das zweite Halbjahr auf wackeligen Beinen. Viel wird davon abhängen, ob es gelingt, eine 4. Infektionswelle zumindest abzuschwächen. Wir setzen darauf, dass eine steigende Impfquote hilft, einen weiteren Lockdown zu verhindern“, betont Peteranderl. Sollten Baustoffe weiter knapp und teuer bleiben, könnte die begonnene Konjunkturerholung ernsthaft ins Stocken geraten. Die Betriebe füllen ihre Lager – das treibt die Preise und führt zu höheren Kosten. Trotz dieser Unwägbarkeiten hat der BHT seine Jahresprognose präzisiert und geht für 2021 von einem gewerkübergreifenden Umsatzplus von nominal 2,6 Prozent aus. Die Zahl der Beschäftigten dürfte in etwa gleichbleiben, das Investitionsvolumen um rund 9 Prozent steigen.

Die neue Bundesregierung steht ab dem Spätherbst vor der großen Aufgabe, die Pandemie zu kontrollieren und Wachstumsimpulse zu setzen. Gleichzeitig dürfen die Klimaziele nicht aus den Augen verloren werden. Das bayerische Handwerk hat dazu einen Plan mit 9 Punkten aufgestellt, die unmittelbar nach der Wahl angegangen werden müssen. Der BHT-Präsident: „Entscheidend wird sein, die Nachfrage auch nach handwerklichen Produkten zu stärken, u.a. die Verkehrs- und Dateninfrastruktur auszubauen, Steuern und Abgaben zu senken, Bürokratie abzubauen, das Handwerk gezielt zu fördern und vor Ort z.B. mit Gewerbeflächen zu unterstützen, die berufliche Bildung zukunftsfähig zu halten, in der Energie- und Klimapolitik auf Wirtschaftlichkeit zu setzen und das Potenzial des Mittelstands voll zu entfalten, indem etwa auf eine zu engmaschige Regulierung verzichtet wird.“

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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