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Handwerkskonjunktur mit verhaltenem Auftakt in 2021

Peteranderl
Peteranderl: "Nachhaltige Erholung erst in der zweiten Jahreshälfte"

28. April 2021

Die Corona-Pandemie beeinflusst weiterhin den Konjunkturverlauf im Handwerk. „Es spricht einiges dafür, dass erst in der zweiten Jahreshälfte eine nachhaltige Erholung einsetzt“, betont Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT).

Im 1. Quartal 2021 gab es bei den bayerischen Betrieben keine Verbesserung der Einschätzung zur wirtschaftlichen Lage: 42 Prozent der Befragten bewerteten ihre aktuelle Lage als gut (-2 Punkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum), 34 Prozent als befriedigend (-1 Punkt). Wie nahezu alle Durchschnittwerte der Umfrage wurde auch die Lageeinschätzung durch die überaus positive Situation in den Bau- und Ausbauhandwerken nach oben gezogen. Die durchschnittliche Auslastung stagnierte im 1. Quartal bei 75 Prozent. Im Berichtszeitraum hatten Bayerns Handwerkerinnen und Handwerker noch Aufträge für die nächsten 10,2 Wochen in ihren Büchern stehen. Das ist ein Plus von 1,0 Wochen. Auch hierbei handelt es sich um einen Durchschnittswert, der stark vom guten Baugeschäft geprägt wird.

Die Umsatzentwicklung im bayerischen Handwerk wurde im 1. Quartal von mehreren Sondereffekten beeinflusst: Zu Jahresbeginn 2020 gab es mindestens zwei Monate, die noch nicht von der Corona-Pandemie geprägt waren. Hinzu kam dieses Jahr ein schnee- und frostreicher Winter, der im Bau- und Ausbauhandwerk zu deutlich stärkeren Beeinträchtigungen auf den Baustellen geführt hat, als im Vorjahr. Ein weiterer Sondereffekt ist das Auslaufen der temporären Mehrwertsteuersenkung zum Jahresende 2020. Dadurch kam es im Baugewerbe und im Kfz-Handwerk zu starken Vorzieheffekten von Lieferungen und Leistungen, die sonst im 1. Quartal 2021 abgewickelt worden wären.

Nach ersten Schätzungen wurde im bayerischen Handwerk zwischen Januar und März ein Umsatzvolumen von ca. 25 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das Vorjahresniveau wurde damit nominal um etwa 5 Prozent verfehlt. Inflationsbereinigt steht ein Minus von real 7,8 Prozent. Mittlerweile macht sich die Corona-Pandemie auch bei den Beschäftigtenzahlen bemerkbar: Während es in den baunahen Gewerken in 2020 sogar noch einen leichten Beschäftigungsaufbau gab, mussten vor allem die Lebensmittelhandwerke und die verbrauchernahen Dienstleister zuletzt ihre Belegschaften verkleinern. Vorsichtig geschätzt waren Ende März rund 949.700 Menschen im bayerischen Handwerk tätig. Binnen Jahresfrist ist das ein Minus von 0,9 Prozent.

Mehr Investitionen - aber weitere hohe Zuwächse nötig

Der Anteil investierender Betriebe blieb im Berichtszeitraum unverändert bei 38 Prozent. Nach Schätzungen steckten Bayerns Handwerksbetriebe zwischen Januar und März etwa 720 Millionen Euro in neue Fahrzeuge, Maschinen und Gebäude. Gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres entspricht dies einem Plus von 6,7 Prozent. Weiterhin sind aber hohe Zuwächse nötig, um den schweren Investitionseinbruch aus 2020 wieder auszugleichen. Obwohl die 3. Infektionswelle eine Normalisierung des Alltags weiter verzögert, steigt im bayerischen Handwerk die Zuversicht: Immerhin 20 Prozent der Befragten erwarten, dass sich ihre Geschäftslage in den nächsten Monaten verbessert (+8 Punkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum), 65 Prozent erwarten gleichbleibende Geschäfte (+15 Punkte). Hinzu kommt eine kleine „Gründungswelle“ zu Jahresbeginn: Ende März lag die Zahl der Handwerksbetriebe im Freistaat bei 207.000 – ein Plus von 1,0 Prozent.

Wenn der Fortschritt bei den Impfungen anhält und ab der zweiten Jahreshälfte breitgefächerte Lockerungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben möglich werden, ist für das Gesamtjahr 2021 ein Umsatzwachstum von nominal 2,0 Prozent im bayerischen Handwerk möglich. Die Zahl der Beschäftigten dürfte in etwa gleichbleiben das Investitionsvolumen um bis zu 10 Prozent steigen.

Bayerischen Unternehmen droht Wettbewerbsnachteil

Mit der „Bundes-Notbremse“ sieht Peteranderl ein neues Höchstmaß an Unübersichtlichkeit erreicht: „Anstatt Wege aus dem Dauer-Lockdown aufzuzeigen, wird das ohnehin schon verwirrende Geflecht aus Regelungen und Verordnungen nochmal erweitert.“ Für zusätzliche Verwirrung bei den Betrieben sorgt, dass die bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vielfach strengere Regeln vorsieht, als das Infektionsschutzgesetz des Bundes. „Aus meiner Sicht muss die Notbremse des Bundes auch zu bundesweit einheitlichen Regelungen führen. Wenn der Freistaat aber härter regelt als der Rest, droht den bayerischen Unternehmen ein Wettbewerbsnachteil“, sagt der BHT-Präsident.

Dagegen begrüßt das bayerische Handwerk den Beschluss des Bundeskabinetts zum Bürokratieabbau, wo viele Vorschläge des Handwerks aufgegriffen wurden. Peteranderl: „Das wird unsere Betriebe spürbar entlasten, etwa bei verbindlichen Auskünften bei Steuerfragen, für zeitnahe Betriebsprüfungen oder für die Vereinheitlichung der Umlagesätze der Kranken- und Mutterschutzumlagen.“ Die Vorschläge umsetzen muss die neue Bundesregierung. „Wir hoffen, dass dies zügig geschieht und erst der Auftakt für eine Reihe von Entlastungen sein wird, damit unsere Handwerksbetriebe nach der Corona-Krise durchstarten können“, betont der BHT-Präsident.

Zusätzliche Bürokratie, ungerechtfertigte Belastungen und eine weitere praxisferne Regelung für Unternehmen mit Sitz in Deutschland befürchten das bayerische Handwerk durch das sog. „Lieferkettengesetz“. Peteranderl: „Auch wenn das Gesetz eigentlich auf größere Unternehmen abzielt, ist damit zu rechnen, dass diese ihre Verpflichtungen auf alle Betriebe in ihrer Zuliefererkette – und damit auch auf das Handwerk – abwälzen werden. Wir unterstützen grundsätzlich das Ziel, Sozial-, Arbeits- und Menschenrechtsstandards in der Lieferkette zu verbessern. Entsprechende gesetzliche Vorhaben müssen jedoch die tatsächliche Leistungsfähigkeit und die begrenzten Einflussmöglichkeiten der Betriebe berücksichtigen und dürfen keine unrealistischen Anforderungen an die Nachverfolgung entlang der Lieferkette stellen.“

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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hwkmuenchen · KONJUNKTUR IM BAYERISCHEN HANDWERK ERSTES QUARTAL 2021
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