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Handwerkskonjunktur im 3. Quartal volatil

Peteranderl
Peteranderl: "Trotz aller momentanen Herausforderungen steht die Konjunktur-Ampel im Handwerk klar auf grün"

27. Oktober 2021

Die konjunkturelle Erholung nach Corona ist alles andere als ein Selbstläufer, die Handwerkskonjunktur blieb im 3. Quartal volatil. Ende September bewerteten 51 Prozent der befragten Betriebe im Freistaat ihre aktuelle Lage als gut und 36 Prozent als befriedigend. Diese Werte lagen insgesamt um 6 Punkte über dem Vorjahresquartal. Um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen, fehlen aber noch 5 Punkte. „Die Gesamtsituation gestaltete sich für das Handwerk im Berichtszeitraum eigentlich positiv - Grund waren die weiterhin niedrigen Zinsen und starke Nachholeffekte sowohl bei den Verbrauchern als auch den gewerblichen Kunden. Allerdings haben sich die stark ansteigenden Einkaufspreise und die teilweise sogar noch verschärften Beschaffungsprobleme negativ aufs Geschäft ausgewirkt“, betont Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT).

Konstant hohe Wohnungsbaugenehmigungen und der Bedarf an Bau- und Ausbauleistungen sorgten im 3. Quartal im Bauhaupt- und Ausbauhandwerk weiterhin für volle Auftragsbücher. Die Kapazitätsauslastung im bayerischen Handwerk stieg gegenüber dem Vorjahr um 2 Punkte auf 80. Da bei weitem nicht alle neuen Bestellungen und Aufträge abgearbeitet werden konnten, wuchs der Auftragsbestand gegenüber dem Vorjahr gewerkübergreifend um 1,3 auf 10,0 Wochen. Das ist ein neues Allzeithoch für das 3. Quartal. Während im Bau- und Ausbauhandwerk vor allem das knappe Material die Preise trieb, litten energieintensive Gewerke wie z.B. das Lebensmittelhandwerk vor allem unter den steigenden Energiekosten. Im September mussten die Betriebe z.B. für elektrischen Strom satte 30 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahr. Binnen Jahresfrist stiegen die Erzeugerpreise insgesamt um über 14 Prozent und die Preise für Energie um 33 Prozent. Diesen Anstieg zumindest teilweise an die Verbraucher weiterzugeben, gelang aber nur 39 Prozent der Befragten.

Reales Umsatzwachstum beträgt nur knapp 2 Prozent

Nach BHT-Schätzungen wurden im bayerischen Handwerk im 3. Quartal 34,8 Milliarden Euro umgesetzt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist dies ein Zuwachs von 5,8 Prozent. Rechnet man die dynamische Preisentwicklung heraus, dürfte das reale Umsatzwachstum nur knapp 2 Prozent betragen. Dem Handwerk ist es bislang noch nicht gelungen, die durch die Pandemie hervorgerufenen, wen auch moderaten Beschäftigungsverluste wieder auszugleichen. Vor allem das Lebensmittelhandwerk, die verbrauchernahen Dienstleister und die Industriezulieferer verloren in 2020 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch im 3. Quartal muss von einem Beschäftigungsniveau unter dem Vorjahresstand ausgegangen werden. Nach ersten Schätzungen beschäftigten die Betriebe im Freistaat Ende September 963.600 Menschen. Im Vorjahresvergleich ist das ein Minus von 0,3 Prozent.

Positive Nachrichten gibt es bei der Investitionstätigkeit: Aufgrund der Nachholeffekte nach der Pandemie haben die bayerischen Handwerksbetriebe auch im 3. Quartal weiter investiert. Der Anteil investierender Betriebe lag im Berichtszeitraum bei 39 Punkten. Das ist 1 Punkt mehr als im Vorjahr und auch im langjährigen Durchschnitt ein hoher Wert. Etwa 1,1 Milliarden Euro flossen in neue Fahrzeuge, Maschinen oder Gebäude. Binnen Jahresfrist ist das ein Plus von 5,8 Prozent. Die Zahl der Handwerksbetriebe im Freistaat lag zum 30. September bei rund 208.400 und damit um 1,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Für das 4. Quartal halten sich die Geschäftserwartungen im bayerischen Handwerk mit 12 Prozent positiven und 12 Prozent negativen Einschätzungen die Waage. Vor einem Jahr war die Stimmung mit 11 Prozent positiv gestimmten Chefinnen und Chefs und 19 Prozent, die eine schlechtere Entwicklung erwarteten, deutlich pessimistischer. Der Ausblick auf das Gesamtjahr bleibt weiterhin schwierig. Bei seiner Prognose für 2021 geht der BHT davon aus, dass die Pandemie-Lage insgesamt stabil bleibt und es keine neuen Beschränkungen mehr gibt. Für das bayerische Handwerk wird ein gewerkübergreifendes Umsatzplus von nominal 3,5 Prozent erwartet. Die Zahl der Beschäftigten dürfte um etwa 0,6 Prozent sinken, das Investitionsvolumen um ca. 7,9 Prozent steigen. Peteranderl: „Trotz aller momentanen Herausforderungen steht die Konjunktur-Ampel im Handwerk jedoch klar auf grün.“

BHT fordert von neuer Bundesregierung handwerksfreundliche Weichenstellungen

In den Sondierungsgesprächen zwischen SPD, Grünen und FDP wurden zunächst vor allem Absichtserklärungen unterbreitet. „Im Koalitionsvertrag möchten wir dann mehr konkrete handwerksfreundliche Weichenstellungen lesen“, fordert der BHT-Präsident. Positiv fällt bisher auf, dass die Dauer von Verwaltungs-, Planungs- und Genehmigungsverfahren mindestens halbiert, der ländliche Raum u.a. mit schnellem Internet und guten Verkehrsanbindungen gestärkt und ein besserer Datenzugang vor allem für den Mittelstand gesichert werden soll. Auch das Bekenntnis zu Investitionen, zur Schaffung einer Fachkräftestrategie und der Weiterentwicklung der Klimapolitik klingt für das Handwerk gut – hierbei wird es allerdings auf die Details der Umsetzung ankommen. Peteranderl: „Erfreulich sind Aussagen, dass mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe bei der Bewältigung anstehender Herausforderungen unterstützt werden sollen. Wir werden sehen, was dazu letztlich im Koalitionsvertrag steht.“ Das bayerische Handwerk begrüßt, dass keine neuen Substanzsteuern eingeführt und Einkommen-, Unternehmen- und Mehrwertsteuer nicht erhöht werden sollen. Offen bleibt aber, wie die verschiedenen Vorhaben finanziert werden sollen. Denn Steuererhöhungen wurden bisher auch nicht ganz ausgeschlossen. „Wir fordern die Verbesserung der steuerlichen Verlustverrechnung, die Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter sowie die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter. Zudem wären ein Ausbau der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung sowie Verbesserungen beim Handwerkerbonus intelligente fiskalpolitische Maßnahmen, um die Nachfrage nach Handwerksleistungen zu stärken“, betont der BHT-Präsident.

Der vollständige Abbau des Solidaritätszuschlags fehlt dagegen im Sondierungspapier. „Zu den Personengesellschafen, die den Soli noch bezahlen müssen, gehören auch viele Handwerksunternehmen. Aus unserer Sicht wäre die Streichung ein wichtiger Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe zu stärken“, kritisiert Peteranderl. Auch zum Einfrieren der Sozialversicherungsbeiträge unter 40 Prozent findet sich im Sondierungspapier kein Wort. Der BHT-Präsident: „Wir müssen die Sozialabgaben deckeln! Gerade im lohnkostenintensiven Handwerk wären Beitragserhöhungen Gift für die Konjunktur. Hier muss in den Koalitionsverhandlungen dringend nachgebessert werden.“

In den Sondierungsgesprächen waren sich SPD, Grüne und FDP außerdem einig, dass das duale Ausbildungssystem gestärkt werden soll. Geplant ist, den Übergang von der Schule in die Lehre zu verbessern, die Jugendberufsagenturen auszubauen sowie eine „Exzellenzinitiative berufliche Bildung“ auf den Weg zu bringen. Die Weiterbildung soll verbessert, das BAföG, mit dem auch die Meister-fortbildung gefördert wird, reformiert werden. Mit Blick auf den Fachkräftemangel planen die Koalitionäre eine praktikablere Ausgestaltung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes. Darüber hinaus soll ein Punktesystem als zweite Säule eingeführt werden, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Das stößt im bayerischen Handwerk auf Zustimmung. „Allerdings reichen die Überlegungen der Parteien noch nicht aus: Das Handwerk braucht außerdem Unterstützung bei der Besetzung freier Ausbildungskapazitäten, Kostenentlastungen bei der ÜLU und bei Prüfungen sowie längerfristige Fördermaßnahmen für digitale Bildungsangebote“, sagt BHT-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Hüpers.

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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