Handwerkskammer für München und Oberbayern

Bayerisches Handwerk meldet reales Umsatzminus für 2025"Brauchen dringend Strukturreformen für selbsttragenden Aufschwung"

29. Januar 2026

„Die Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung werden zusätzliches Wachstum in Deutschland entfachen. Wir haben allerdings von Anfang an gewarnt, dass dies nicht lange anhalten wird, wenn weiterhin Strukturreformen fehlen, die Vertrauen in den Standort zurückbringen und weitere Investitionen auslösen“, betonte Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen.

80 Prozent der befragten Betriebe im bayerischen Handwerk bezeichneten ihre wirtschaftliche Lage im 4. Quartal 2025 als gut oder befriedigend. Damit rangiert dieser Wert exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Die durchschnittliche Auslastung im bayerischen Handwerk verharrte im Berichtszeitraum unverändert bei 77 Prozent. Das Bauhauptgewerbe, die Industriezulieferer und die privaten Dienstleister konnten ihre Auslastung leicht steigern – im Kraftfahrzeuggewerbe, im Lebensmittelgewerbe und im Gesundheitshandwerk ging sie etwas zurück. Unverändert war die Auslastung im Ausbaugewerbe.

„Für ein deutliches Plus an Neuaufträgen fehlt weiterhin ein starker politischer Impuls, etwa in Form von sinkenden Steuern und Abgaben“, sagt Peteranderl. Immerhin ging der Anteil an Betrieben mit sinkenden Auftragseingängen im 4. Quartal 2025 um 2 Punkte auf 35 Prozent zurück. Ende Dezember verfügten die bayerischen Handwerksbetriebe im Schnitt über Auftragsbestände von 7,9 Wochen, das sind 0,1 weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Das Bauhauptgewerbe und das Handwerk für privaten Bedarf konnten ihre Auftragsbestände kräftig ausweiten, auch Ausbau und Kfz verzeichneten ein leichtes Plus. Das Gesundheitshandwerk meldete einen leichten, die handwerklichen Zulieferbetriebe und Unternehmens-dienstleister einen deutlichen Rückgang.

Befragt zu den Absatzpreisen, berichteten 20 Prozent (minus 1 Punkt) der bayerischen Handwerksbetriebe von einer Steigerung im Berichtszeitraum. Neun Prozent (minus 3 Punkte) konnten für ihre Produkte und Dienstleistungen geringere Preise aufrufen als noch vor einem Jahr. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung blieb 2025 erneut hinter den Erwartungen zurück. Auch im bayerischen Handwerk entwickelten sich die Umsätze nicht wie erhofft: 31 Prozent vermeldeten im Berichtszeitraum einen Rückgang (plus 2 Punkte), 17 Prozent konnten ein Umsatzplus verbuchen (minus 1 Punkt).

Handwerksbetriebe setzen geschätzt 151,9 Milliarden Euro um

Nach BHT-Schätzungen wurden im bayerischen Handwerk im Schlussquartal des vergangenen Jahres 43,9 Milliarden Euro umgesetzt. Im Vorjahresvergleich entspricht dies einem nominalen Zuwachs von 2,1 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet die Spitzenorganisation des Handwerks im Freistaat mit einem Umsatz von 151,9 Milliarden Euro – das ist ein Plus von 1 Prozent gegenüber 2024. Nach Abzug der Preissteigerung verbleibt allerdings ein Minus von 2,1 Prozent. Der BHT-Präsident: „Damit ist 2025 das fünfte Jahr in Folge, in dem unsere Handwerksbetriebe einen realen Umsatzrückgang verbuchen müssen.“

Die schwächelnde Wirtschaft, hohe Unsicherheit und eine negative demografische Entwicklung haben im Berichtszeitraum auch zu einem Beschäftigungsrückgang im bayerischen Handwerk geführt. Zwar vermeldete jeder zehnte Betrieb mehr Beschäftigte (minus 1 Punkt) – gleichzeitig mussten aber 16 Prozent (minus 1 Punkt) mit weniger Personal auskommen. Nach ersten Schätzungen ist die Beschäftigung im bayerischen Handwerk im 4. Quartal 2025 um 1,2 Prozent zurückgegangen. Auch für das Gesamtjahr steht ein Minus: Laut BHT-Hochrechnung waren im Jahresdurchschnitt etwa 956.000 Personen in den Betrieben im Freistaat tätig, 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Anteil investierender Betriebe ging im Berichtszeitraum um 5 Punkte auf 38 Prozent zurück. Zum Jahresende meldeten die bayerischen Handwerkskammern insgesamt 214.800 Mitgliedsbetriebe. Das ist ein Plus von 0,6 Prozent.

Für die ersten Monate des laufenden Jahres sind die Handwerksbetriebe im Freistaat deutlich optimistischer als noch vor einem Jahr: 75 Prozent erwarten eine verbesserte oder gleichbleibende Geschäftslage. Das ist ein Plus von 6 Punkten. Lediglich im Lebensmittelgewerbe und im Kraftfahrzeuggewerbe sind die Erwartungen pessimistischer als Anfang 2025. „Für das Gesamtjahr 2026 rechnen wir mit einer Belebung der Geschäftstätigkeit und einem Umsatzwachstum von mindestens 2 Prozent. Ob dies allerdings nach Abzug der Preissteigerung für ein reales Wachstum reichen wird, ist noch nicht absehbar. Die Beschäftigung wird voraussichtlich erneut sinken – und zwar um bis zu 1 Prozent“, berichtet Peteranderl.

Handwerkskammern im Freistaat zählen über 29.000 neue Ausbildungsveträge

Bis zum Jahresende 2025 wurden im bayerischen Handwerk über 29.000 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Das sind 1,3 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Auch im Kammerbezirk lag die Zahl mit 0,5 Prozent leicht im Plus: Insgesamt wurden in Oberbayern rund 9.430 neue Lehrverträge gezählt. „Die Umstellung vom acht- auf das neunjährige Gymnasium hat sich kaum auf unsere Ausbildungszahlen ausgewirkt“, sagt BHT-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Hüpers: „Zwar ist die Zahl der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife im Handwerk leicht gesunken, Zuwächse mit Bewerbern aus anderen Schularten haben dies jedoch ausgeglichen.“ Hüpers macht deutlich, dass die Betriebe im Wettbewerb um Berufsnachwuchs gut mithalten können: „Das Handwerk ist attraktiv, die Dienstleistungen und Produkte sind nicht durch Künstliche Intelligenz ersetzbar, wie in so manch akademischem Beruf. Hinzu kommt: Die Familienbetriebe bilden ein enges Band mit ihren Beschäftigten – Kundinnen und Kunden schätzen die fachkundige Beratung.“

Mit Blick auf die anstehende Reform der Erbschaftsteuer stellt der BHT-Hauptgeschäftsführer klar: „Das Betriebsvermögen muss bei der Erbschaftsteuer zwingend eine Sonderbehandlung erfahren. Nur eine möglichst umfassende Verschonung kann die Leistungsfähigkeit und damit auch den Fortbestand unserer Betriebe gewährleisten. Davon hängen nicht zuletzt Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Investitionen und Innovationen ab.“

Familiengeführte Handwerksbetriebe stecken ihr Vermögen vor allem in Betriebsgrundstücke, Werkstätten, Maschinen und Fahrzeuge. Hüpers: „Der im SPD-Konzept vorgesehene Freibetrag von 5 Millionen Euro ist selbst in kleineren Unternehmen schnell überschritten. CNC-Bearbeitungszentren, komplexe Fertigungsanlagen oder digital gesteuerte Produktionslinien kosten nicht selten mittlere sechsstellige Beträge. Daher lehnen wir alle Pläne klar ab, bei denen das zu verschonende Betriebsvermögen deutlich reduziert werden soll.“

Kritik äußerte Hüpers am Bundesrechnungshof, der die Wirksamkeit der in Deutschland geltenden Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen anzweifelt. „Es ist ärgerlich, dass der Steuerbonus in Deutschland diskreditiert wird, während Länder wie Österreich unser Erfolgsmodell kopieren: Schließlich werden durch die Steuerermäßigung von bis zu 1.200 Euro Aufträge aus der Schwarzarbeit geholt und stattdessen von legal arbeitenden Handwerksbetrieben erledigt. Das Ergebnis sind auch mehr Steuereinnahmen und Sozialabgaben für den Staat“, betont der BHT-Hauptgeschäftsführer.

Beitrag von Alexander Tauscher:

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