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Bayerisches Handwerk setzt Aufschwung fort

Franz Xaver Peteranderl
Peteranderl: "Erwarten kräftigen Umsatzanstieg in 2018"

27. April 2018

„Der verhaltene Start der neuen Bundesregierung lässt das Handwerk ebenso unbeeindruckt wie ein drohender großflächiger Handelskonflikt zwischen der EU und den USA. Der Konjunkturaufschwung setzt sich weiter fort. Gründe sind der weiterhin hervorragende Arbeitsmarkt mit steigenden Löhnen, die Lust auf Investitionen bei Unternehmen sowie der Bauboom“, betont der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Franz Xaver Peteranderl.

Im 1. Quartal 2018 beurteilten die bayerischen Handwerksbetriebe ihre aktuelle Geschäftslage so gut wie schon lange nicht mehr. Besser war sie zuletzt nur 1991. Die zum Teil strengen Frostperioden im Februar und März trübten die Stimmung nicht: 91 Prozent der Befragten bezeichneten ihre Gesamtsituation als gut oder zumindest befriedigend. Vor Jahresfrist lag dieser Anteil bei 89 Prozent. Zwar ließ die lange Phase mit Schnee und Kälte die Bautätigkeit im Berichtszeitraum zeitweise stillstehen. Mit durchschnittlich 79 Prozent fiel die Kapazitätsauslastung für die Jahreszeit dennoch außergewöhnlich hoch aus. Im Vorjahresvergleich ist das ein Anstieg um drei Punkte.

Die negativen Witterungseffekte und ein fehlender Arbeitstag wurden bei der Schätzung der Umsätze im 1. Quartal 2018 berücksichtigt. Demnach setzten die Betriebe im bayerischen Handwerk rund 22,9 Milliarden Euro um. Nominal entspricht dies einem Anstieg von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Auftragsreichweite wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 8,5 auf 9,7 Wochen. Peteranderl: „Damit sind die Voraussetzungen für einen kräftigen Umsatzanstieg im Jahresverlauf gegeben.“

Nach Berechnungen des BHT waren im 1. Quartal 2018 durchschnittlich 924.700 Personen im bayerischen Handwerk tätig. Gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt ergibt das einen Zuwachs von 0,6 Prozent. Die Investitionsneigung blieb im 1. Quartal 2018 unverändert: 33 Prozent der Befragten investierten in Gebäude, Fahrzeuge oder Maschinen. Das Investitionsvolumen betrug geschätzt 652 Millionen Euro, das sind minus zwei Prozent. Die Zahl der Handwerksbetriebe stieg im Berichtszeitraum leicht um 0,3 Prozent auf 201.700.

Auch für die kommenden Monate erwarten die Handwerksbetriebe in Bayern gute Geschäfte: 66 Prozent schätzen, dass die Geschäftslage gleichbleibt, 30 Prozent, dass sie sich sogar noch weiter verbessert. Nur vier Prozent gehen skeptisch ins Frühjahr. Für das Gesamtjahr 2018 erwartet das bayerische Handwerk ein Umsatzwachstum von real 3,5 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten dürfte im Jahresschnitt um ein Prozent zulegen, die Investitionen um vier Prozent ansteigen.

Parallel zu den guten Konjunkturzahlen verbuchte das Handwerk zuletzt auch bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen ein Plus. 2017 wurden 26.459 neue Ausbildungsverträge im bayerischen Handwerk geschlossen. Das entspricht einem Plus von 0,6 Prozent. Allerdings kann nicht jeder Lehrling zum Berufsabschluss geführt werden. Der BHT-Präsident: „Eine Lösung des Ausbildungsvertrages bedeutet nicht automatisch das Ende der Lehre im Handwerk: Viele junge Menschen wechseln innerhalb der Branche den Betrieb oder entscheiden sich für einen anderen Handwerksberuf. Natürlich kann es auch zu Problemen zwischen Ausbilder und Auszubildendem kommen. In diesem Fall sind die Ausbildungsberater der Handwerkskammern kompetente Ansprechpartner: Bei ihnen kann jeder anrufen, ob Betrieb, Azubi oder die Eltern.“

Das bayerische Handwerk benötigt weiterhin viele Auszubildende, um seinen Fachkräftebedarf zu decken. Der BHT begrüßt das von Ministerpräsident Dr. Markus Söder angekündigte Programm, mit dem über 100.000 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden sollen. „Zunächst muss aber ermittelt werden, wie groß und wie schnell verfügbar dieses ungenutzte Reservoir ist“, betont Peteranderl. Wichtig ist das Bekenntnis des Ministerpräsidenten zu Handwerk und Mittelstand. Mit „Invest daheim“ sollen beispielsweise Unternehmensverlagerungen von den Zentren in den ländlichen Raum finanziell und organisatorisch unterstützt werden. Das sei zwar ein interessanter Ansatz so der BHT-Präsident; „noch wichtiger ist allerdings, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Unternehmen an ihren angestammten Standorten und damit bei ihren Kunden bleiben können.“

Damit künftig Existenzgründungen an einem Tag möglich sind, sollen „Fast Lanes“ bei Behörden eingeführt, Statistikpflichten ausgesetzt und zur vierteljährlichen Umsatzsteueranmeldung zurückgekehrt werden. „Grundsätzlich begrüßen wir diese Erleichterungen. Allerdings handelt es sich bei den Regelungen der Handwerksordnung, die bei einer Selbstständigkeit in unserem Wirtschaftsbereich greifen, nicht um verzichtbare Bürokratie. Wichtiger wäre, grundsätzlich Bürokratie abzubauen, anstatt sie für einige kurzzeitig auszusetzen. Davon hätten dann alle Unternehmen etwas“, sagt Peteranderl. Positiv wird im Handwerk Söders Ankündigung aufgenommen, die digitale Infrastruktur auszubauen und die digitale Bildung voranzutreiben. Richtig sind auch der geplante Bau von 500.000 Wohnungen bis 2025 sowie die Vermeidung von Fahrverboten für Dieselfahrzeuge.

Im Fall der Dienstleistungskarte, mit der sich ausländische Betriebe nach dem Willen der Europäischen Kommission nach den Regeln ihres Heimatlandes europaweit niederlassen können sollen, hat das Handwerk einen Erfolg erzielt: Der federführende Binnenmarktausschuss des Europäischen Parlaments hat sowohl die Vorschläge der Kommission als auch die beiden Berichtsentwürfe abgelehnt. Der BHT-Präsident: „Damit ist das Thema Dienstleistungskarte vorerst erledigt. Wir werden sehen, ob die Kommission ihre Vorschläge zurückzieht oder sie modifiziert. Ein Verzicht auf die Dienstleistungskarte wäre für das Handwerk die beste Lösung. Damit wäre die lange Zeit von uns befürchtete Einführung des Herkunftslandprinzips vom Tisch.“

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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