1-Euro-Jobs in der Privatwirtschaft
Gefahr für reguläre Arbeitsplätze im Handwerk
Wenige Tage nach Inkrafttreten des Hartz IV-Gesetzes zeigt sich, dass die
Schaffung sog. 1-Euro-Jobs zum Streitthema wird. Kernpunkt ist der Einsatz
von entsprechenden Kräften in der Privatwirtschaft. Aus der Sicht des
Bayerischen Handwerkstages (BHT) zeichnet sich hier eine gefährliche
Tendenz ab. Obwohl es ein Abkommen der Bundesagentur für Arbeit, der drei
kommunalen Spitzenverbänden und des Zentralverbandes des Deutschen
Handwerks gibt, wonach „bei den Vermittlungsaktivitäten ... die
Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt oberste Priorität haben“ muss,
möchten mehrere München, 10. Januar 2005
Bundesländer über Hartz IV auch 1-Euro-Jobs in der Privatwirtschaft
schaffen. Das Handwerk lehnt dies klar ab.
„1-Euro-Jobs sind mit Sicherheit der falsche Weg, um den Arbeitsmarkt
flexibler zu machen und die Anreize zur Arbeitsaufnahme zu erhöhen. Sie
sind eine ernste Gefahr für reguläre Arbeitsplätze im Handwerk.“ Dies
erklärte der Präsident des Bayerischen Handwerkstages, Heinrich
Traublinger, MdL, zu diesem Thema. Es könne nicht sein, dass die
Handwerker über ihre Steuern und Abgaben die eigene unfaire Konkurrenz
auch noch mit subventionierten.
Vergleichbare Erfahrungen bei den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, besonders
in den neuen Ländern, und die Aussage von Bundesarbeits- und
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, wonach 600 000 1-Euro-Jobs
geschaffen werden sollten, unterstreichen diese Befürchtungen. Zwar
müssen diese Jobs laut Gesetz „im öffentlichen Interesse“ liegen und
außerdem „zusätzlich“ sein. Sie dürfen also keine regulären
Arbeitsplätze verdrängen. Aus Erfahrung ist aber Skepsis bezüglich der
genauen Abgrenzung in der Praxis geboten. Das bayerische Handwerk erwartet
vom Gesetzgeber eine aufmerksame Beobachtung der Entwicklung und rasche
Reaktionen, wenn sich zeigen sollte, dass die 1-Euro-Jobs reguläre
Arbeitsplätze vernichten.