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Handwerk fordert Entlastung bei Bürokratie und Steuern

PK Konjunktur Juli 2019 BHT
Peteranderl: "Wir sichern Arbeits- und Ausbildungsplätze"

31. Juli 2019

„Während die Gesamtwirtschaft schwächelt, sichert der Aufschwung im Handwerk Arbeits- und Ausbildungsplätze ab. Es wäre daher dringend an der Zeit, dass die Politik einmal „Danke“ sagt und das Handwerk von Bürokratie entlastet, die berufliche Bildung konsequent fördert und Steuern und Abgaben senkt. Trotz rückläufiger Steuereinnahmen gilt es antizyklisch zu handeln und den Anreiz für Investitionen zu erhöhen“, betont Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen.

Ende Juni beurteilten 94 Prozent der befragten Betriebe in Bayern ihre Lage als gut oder befriedigend. Damit bewegte sich der zentrale Indikator zur Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung auf dem Niveau des Vorjahres und seines Allzeithochs. Nur sechs Prozent sind nach eigener Einschätzung in einer schlechten Verfassung. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung stellte im 2. Quartal mit 84 Prozent ihr Rekordergebnis ein. Weil so viel zu tun und die Nachfrage unverändert kräftig ist, müssen Kunden - außer im Notfall - durchschnittlich 10,4 Wochen auf die Auftragserfüllung warten. Im Vorjahresvergleich stieg der Auftragsbestand noch einmal um 0,2 Wochen. Noch nie wurde im Frühling ein derart hoher Wert vermeldet.

Betriebe machten im 2. Quartal 32 Milliarden Euro Umsatz

Für den Zeitraum von April bis Juni rechnet das bayerische Handwerk mit einem Umsatzvolumen von etwa 32 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal wäre das ein Anstieg um nominal 5,7 Prozent. Zieht man die Preissteigerung ab, verbleibt ein reales Plus von 2,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr verlief die Beschäftigung im bayerischen Handwerk im 2. Quartal positiv: Ende Juni waren etwa 949.600 Personen im Handwerk tätig, 1,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,3 Prozent auf 202.800. Die Investitionstätigkeit zog im 2. Quartal erneut kräftig an: Die Quote investierender Handwerksbetriebe im Freistaat kletterte binnen Jahresfrist um sechs Punkte auf 39 Prozent. 1992 wurde letztmals ein derart hoher Anteil registriert. Gleichzeitig weiteten die Betriebe auch das Investitionsvolumen aus: Von April bis Juni flossen geschätzt etwa 975 Millionen Euro in neue Maschinen, Fahrzeuge, IT und andere Anlagegüter. Das entspricht einer Zunahme von mehr als acht Prozent gegenüber 2018.

83 Prozent der bayerischen Handwerksbetriebe erwarten in den kommenden Monaten gleichbleibende Geschäfte, elf Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Für das Gesamtjahr ist im bayerischen Handwerk ein Umsatzplus von nominal fünf Prozent zu erwarten. Die Zahl der Beschäftigten dürfte um knapp ein Prozent zulegen, die Investitionen um rund sechs Prozent wachsen.

Brüssel muss auf KMU-Interessen stärker eingehen

Zur Wahl Ursula von der Leyens zur Präsidentin der Europäischen Kommission erklärt Peteranderl: „Dass die erste Frau auf dem EU-Chefsessel eine Deutsche sein wird, ist für unser Land eine großartige Sache. Dennoch werden wir auch bei der neuen Kommission unter ihrer Führung genau darauf achten, dass in Brüssel und Straßburg die richtigen Weichen für das Handwerk gestellt werden.“

Ein erster Schritt zu einer mittelstandsfreundlichen EU-Politik wäre aus BHT-Sicht, einen Vizepräsidenten in der EU-Kommission zu benennen, der sich über alle Fachbereiche hinweg um die Interessen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) kümmert und diese zentral koordiniert. KMU machen in Europa 99 Prozent aller Unternehmen aus und müssen deshalb gezielt gefördert werden. Der „Small Business Act“ bildet hierfür seit vielen Jahren die Grundlage. „KMU und mit ihnen das Handwerk sind von nahezu allen Politikbereichen betroffen. Sie sind Kern und Motor der europäischen Wirtschaft und Gesellschaft, verfügen über flache Hierarchien und leben Werte, die zum Zusammenhalt in Europa beitragen. Sie übernehmen Verantwortung in den Regionen, integrieren, bilden aus, schaffen und sichern Arbeitsplätze“, betont Peteranderl. Gerade beim Klimaschutz oder der Digitalisierung sei die Verankerung von KMU-Interessen fundamental wichtig, so der BHT-Präsident: „Klimaschutz ist ohne das Handwerk nicht flächendeckend umsetzbar, digitale Wettbewerbsfähigkeit kann nicht allein durch ‚Industrie 4.0‘, sondern nur durch ‚Wirtschaft 4.0‘ erreicht werden.“

Peteranderl kritisiert, dass die Politik in Brüssel ihren Fokus oftmals auf die Industrie legt und dabei Handwerk und Mittelstand aus dem Blick verliert: „Wir fordern, dass der KMU-Test stärker als bisher angewendet wird, mit einer zentralen Koordination und Kontrolle innerhalb der EU-Kommission. Folgenabschätzungen müssen konsequent und fundiert durchgeführt werden bevor EU-Vorschriften erlassen werden.“

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

 Ansprechpartner

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Stabsstellenleiter, Pressesprecher

Telefon 089 5119-122
Fax 089 5119-129
jens-christopher.ulrich--at--hwk-muenchen.de

Alexander Tauscher
Pressesprecher

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Fax 089 5119-129
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